GOLD VERSUS GUGELHUPF

Geschichten über Vergangenes beginnen meist mit „es war einmal“.

So auch diese.

Es war also einmal eine alte Villa, die einmal ein Atelier war und ein Wohnhaus war und zuletzt zum Museum wurde.

Das Haus war in die Jahre gekommen, etwas abgenutzt aber gerade deshalb hatte es das was man gemeinhin Charme nennt. Seine Museumsräume waren schon fern aktueller Standards aber trotzdem vielbesucht. Sein Garten war und ist eine Oase der Kontemplation im Zentrum Münchens, war offen für alle, wenn das Museum, das zugleich durch den Garten erschlossen wurde, geöffnet hatte.

Es war einmal in ebendiesem Haus ein Cafe in einem glasüberdachten Hof, etwas hallig und spartanisch, abgenutzter Natursteinboden und Möbel, die nicht unbedingt zu längerem Verweilen einluden. Ein Cafe mit Eigenschaften die man auch Eigenheiten nennen kann. Wie das mit Eigenheiten so ist, muss man sich im Lauf der Zeit an sie gewöhnen um sie irgendwann zu schätzen und vielleicht sogar zu lieben.

Vom Raum allein, so charakteristisch er auch sein mag, lebt ein Cafe selten. Die Wertschätzung steigt wenn sich dem Raum entsprechende Speisen zugesellen. Ich nehme an es wird nicht allzuviele Menschen in München geben, die wissen, dass es in diesem Cafe den besten Mohn- und einen der besten Schokoladengugelhupfe der Stadt gab.

Das alles war einmal. Dann kam der Großumbau, die Genaralsanierung mit Teilabbruch und Neubau.

Das ficht in der Regel einen Mohngugelhupf überhaupt nicht an. Seine Qualität und seine Geschmacksentfaltung stehen über solchen Vorhaben. Und doch gibt es bedauerlicherweise einen Zusammenhang der dafür gesorgt hat, dass dieser Gugelhupf und die den Um- und Neubau symbolisierende Goldschachtel hinter der Glyptothek keine Freunde werden konnten.

Kennt man die Entstehungsgeschichte des aktuellen Baus dann fügt sich hier unausweichlich Eins ins Andere. Es ist die alte Geschichte vom erhofften großen Wurf, der aber leider über internationales Mittelmaß nicht hinauskam und dabei Veränderungen evoziert hat die uns und den Gugelhupf empfindlich getroffen haben. Denn wenn ein Großarchitekt für 54 Millionen !! baut darf natürlich in der Folge ein leistungsfähiger Großgastronom, einer der München schon an unendlich vielen Stellen mit seinen austauschbaren Produkten beglückt, nicht fehlen. Es ist leider nicht in Erfahrung zu bringen warum die alten Pächter des Cafes, die sich unseres Wissens auch bei der Vergabe für die Pacht des neuen Cafes beworben hatten, den Zuschlag nicht bekommen haben. Als VOF-geplagte Architekten können wir uns aber bestens vorstellen wie soetwas ablaufen kann. Das bestbewährte VOF-Prinzip – wer viel hat muss noch mehr bekommen, wer nicht viel hat ist einfach nicht leistungsfähig genug, trägt hier sicherlich auch seine Früchte.

Die Goldschachtel die uns in ihrem deplatzierten und wie man liest untilgbaren Goldglanz immer an 54 Steuermillionen erinnern wird, ist jedenfalls ein herausragendes Beispiel dafür, daß das leistungsfähige und in diesem Fall äußerst renommierte Großbüro nicht an jeder Stelle der richtige Partner ist und der Großgastronom auch nicht jedermanns Geschmack trifft. Dass der geniale Mohngugelhupf zusätzlich als Kollateralschaden in Kauf genommen werden muss, schmerzt doppelt.

Es tröstet uns auch nicht so recht, dass der Gugelhupf uns sozusagen ein Schicksalsgenosse geworden ist, ebenso wie viele von uns dem Glauben an vermeintliche Leistungsfähigkeit zum Opfer gefallen. Sollen wir uns jetzt in das uns zugedachte Schicksal fügen und das jetzt auch an der Briennerstraße in München angekommene international ubiquitäre Museumsflair mit Gastroterrasse genießen ?

Nein ! Wir gehen stattdessen einfach in die Glypthothek, wo wir zugegebenermaßen auch keinen solchen Mohngugelhupf bekommen, dafür aber einen der schönsten und garantiert goldfreien Innenhöfe Münchens genießen können. Das Gold und seinen Glanz überlassen wir denen, die es sicherlich auch zu schätzen wissen – den internationalen Museumstouristen.

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